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Psychotherapie in der Lebensspanne

Hilarion Petzold, Düsseldorf, Amsterdam

Web-Bearbeitung: Markus Frauchiger, lic.phil. Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, CH-3012 Bern


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Entwicklungspsycholgie des Erwachsenenalters - endlich ein Buch dazu !
Rogers - Entwicklung der PersoenlichkeitCarl R Rogers - Entwicklung der Persönlichkeit
Rogers Klassiker zur menschlichen Entwicklung


Psychotherapie in der Lebensspanne, wie sie von mir seit Beginn der Integrativen Therapie aus der Arbeit mit Kindern, Erwachsenen und alten Menschen entwickelt wurde (Petzold 1965; 1968a,b,c, 1969c), hat verschiedene Bezugstheorien und Referenzrahmen:

Lifelong learning, éducation permanente:
Der Mensch wird als ein lebenslang lernendes Wesen gesehen. Von Embryonalzeiten an bis in seine letzten Lebenstage nimmt er Informationen aus der Aussenwelt auf, speichert sie, gleicht sie mit schon Gespeichertem ab – Lernen ist diskriminierend , reichert sie mit Materialien aus den Gedächtnis-archiven an mit dem Ziel, sich besser in der Umwelt orientieren zu können, Umweltanforderungen optimal meistern zu können und hieraus wiederum Motivation zu erhalten (mastery motivation, Harter 1978), sich weiter an Aufgaben zu erproben und so beständig wachsende Kompetenz und Performanz zu gewinnen im Erleben der »eigenen Wirksamkeit» (Flammer 1990).
In unserer agogischen bzw. erwachsenenbildnerischen Arbeit, gerade unter dem Aspekt »Erwachsenenbildung als Lebenshilfe« und mit dem Einsatz therapeutischer Methoden im andragogischen Kontext (Petzold, Sieper 1970, 1977), war das Prinzip lebenslanger Bildung für uns und unsere Ausbildungs-arbeit mit Erwachsenen eine zentrale Leitlinie, die für unsere therapeutische Arbeit, aber auch unsere Konzeption der Weiterbildung von Psychotherapeuten als berufsbezogene Erwachsenenbildung für die vier Aufgaben eines umfassenden »Psychotherapie-verständnisses«: »Krankenbehandlung«, »Gesundheitsförderung«, »Persönlichkeitsentwicklung« und »Gesellschaftkritik« (Petzold, Orth, 1999) einen zentralen Einfluss hatte.

Lifelong socialization:
Sieht man Lernen im Kontext von Sozialisationsprozessen, die spezifische Formen des lernenden Aneignens von sozialer Welt im Kontext von Gesellschaft bzw. spezifischer gesellschaftlicher Milieus umfassen, dann sieht man, dass es auch hier um lebenslang verlaufende Prozesse geht. Wir hatten Sozialisation als die »wechselseitige Beeinflussung und Veränderung von Systemen entlang des Zeitkontinuums« (Petzold, Bubolz 1976) definiert und gehörten damit aufgrund unserer sozialgerontologischen Forschungen zu den ersten Autoren, die eine »Soziologie des Lebensverlaufes« (Kohli 1978, 1985) vertreten haben. Unsere »soziale Netzwerkforschung«, in der wir Netzwerke von Kindern, Jugendlichen und alten Menschen untersuchten (Petzold 1979c, 1982v, 1994e; Müller, Petzold 1998) haben uns dazu geführt, soziale Netzwerke als »Konvois« zu sehen, als Weggeleit über die Lebensstrecke (idem 1995a). Diese Sichtweise ist eine zentrale Kategorie für die Integrative Therapie, weil die Netzwerke als »Matrix« für Identitätsprozesse (Petzold, Sieper 1998, Hass, Petzold 1998) zu sehen sind. Identitätsorientierte Therapie, die sozialpsycho-logische und soziologische Perspektiven in den klinischen Kontext einbringt, wenn sie Identitätsprozesse als lebenslang verlaufende betrachtet, ist auf das Modell des »lifelong socialization« verwiesen.

Lifespan developmental psychology:
Psychologie der Lebensspanne. Der Schritt vom Sozialisationsprozess in die Entwicklungspsychologie ist kein grosser. Unsere frühen kinderpsychologischen, erwachsenenpsychologischen und gerontopsychologischen Arbeiten (idem 1965) – etwa zum Überforderungserlebnis und zur Heimwehreaktion (idem 1968a, b, c) – haben uns gezeigt, wie Entwicklungsprozesse sich in jedem Lebensalter vollziehen und Entwicklung keineswegs – wie in den 60er Jahren für die Sicht von Erwachsenenpsychologen üblich mit dem Jugendalter zu Ende war. Vielmehr haben wir schon früh affirmiert, dass Entwicklung Veränderung im Lebensverlauf ist, bei der vorgängig Erfahrenes nicht verloren geht, sondern im Voranschreiten als Grundlage erhalten und bei verändernden Fortentwicklungen weitgehend in den Gedächtnisarchiven aufgehoben bleibt, wobei etwa vom vierten Lebensjahr an auch antizipatorische Leistungen von zunehmender Komplexität das Entwicklungsgeschehen beeinflussen. Die entwerfende Qualität des Menschen (Sartre) kommt hier zum Tragen, indem Menschen antizipierend, hoffend, befürchtend, planend, vorausschauend ihren eigenen Lebensentwurf mit den Menschen ihres relevanten Umfeldes im Meer der Weltkomplexität navigierend gestalten, Entwicklung also immer auch »Gestaltung der eigenen Identität« bedeutet. Dies gilt für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch für alte Menschen, so dass der ganze Lebensverlauf ein Entwicklungsgeschehen ist, bei dem in einer Gegenwart im Rückblick und in der Vorausschau Entwicklungsschritte realisiert werden. Entwicklungsschritte im Jugendalter bedürfen dabei einer besonderen Stützung der antizipatorischen Entwicklungsarbeit, weil Jugendliche erst noch lernen müssen, wie die Prozesse der Lebensplanung und der Umsetzung solcher Planung durch die gezielte Verwirklichung der dazu erforderlichen Schritte gelingen kann. Adoleszenztherapie ist deshalb Therapie in reflektierten Schritten. Zurück nach vorne blickend, retrospektiv ansetzend, Prospektionen entwickelnd, um in komplexen Lebenswelten und in virtual words immer besser navigieren zu lernen (Müller, Petzold 1998).
In nachsozialisierenden therapeutischen Gemeinschaften z.B. müssen deshalb Schritte erfahrbar sein, um antizipatorische Sozialisationsarbeit zu leisten. Unsere ursprüngliche Konzeption der »vier Schritte« sollte ja eigentlich nur darauf vorbereiten, dass im Leben immer wieder Schritte zur persönlichen Weiterentwicklung gemacht werden müssen über die gesamte Lebensspanne hin (Petzold 1968a, b, c). Die Psychologie der Lebensspanne wurde in der Folge zu einem zentralen Bereich der Entwicklungsspychologie (Baltes et al. 1980; Oerter 1978), das durch die longitudinale Entwicklungsforschung (Rutter 1988; Schroots 1993; Thomae 1983) eine mächtige empirische Unterstützung und eine überzeugende Absicherung durch die Forschung erhielt.

Lifespan developmental therapy:
Entwicklungsspychologisch fundierte Therapie in der Lebensspanne. Dies ist die von mir begründete Form der Psychotherapie im Modell der »Integrativen Therapie«. Sie ist eine stringente Konsequenz aus den aufgeführten Referenzrahmen und Ergebnis unserer besonderen lebensgeschichtlichen Situation, dass wir Johanna Sieper und ich nämlich seit unseren ersten therapeutischen Gehversuchen noch in Studentenzeiten mit Kindern, Erwachsenen und mit alten Menschen arbeiten durften.
Wenn man in solcher Vielfalt mit Menschen aller Altersstufen, mit Säuglingen und mit Hochbetagten, mit Neugeborenen und mit Sterbenden »professionellen« Umgang hatte (vgl. meine Bücher »Psychotherapie und Babyforschung« Bd. 1 u. 2: 1993c, 1994j, mein Buch »Mit alten Menschen arbeiten«: 1985a oder »Die Begleitung Sterbender«, letzteres mit SpiegelRösing 1985), dann führt dies in einer reflexiven Weise an die Kernqualität menschlicher Existenz: die Erstreckung des Lebens zwischen Anfang und Ende, mitten in den Prozess, der das gelebte Leben selber ist. Die Banalität des Faktums, dass Menschen das Leben von Geburt bis zum Tode durchlaufen, dass es im Menschenleben Neugeborene und Sterbende gibt, grundsätzliche Freude über neues Leben und grundsätzliches Leid über den Verlust geliebter Menschen, all das wird in der professionellen Reflexion deutlich als »Ketten« von aufbauenden und kräftigenden und »Ketten« von niederdrückenden und belastenden Lebensereignissen oder in »Ketten« von Defiziterfahrungen, die in ihren Interaktionen unsere Gesundheit und unser Kranksein bestimmen. Und wenn es darum geht, »sich selbst im Lebensganzen verstehen zu lernen« (Petzold 1981, 1996) in der Konstruktion einer »Autobiographie« (Conway 1990), die immer in einer geteilten »Biosodie«, in geteilten Lebenswegen also, in KonvoiErfahrungen gründet, muss auch Psychotherapie, Gesundheitsarbeit und Persönlichkeitsentwicklung auf diesen geteilten Lebensweg gerichtet sein. Der Mensch muss sehen, dass seine Biographie auch in die Biographie anderer, in seinem Netzwerk wichtiger Bezugspersonen eingewoben ist. In dieser Textur spielen alte und junge Menschen in ihrer Anwesenheit und ihrem Fehlen und in den Qualitäten, die damit verbunden sind, eine wesentliche Rolle. Eine derartige temporalisierte und kontextualisierte Betrachtung des Lebens »in Prozessen und als Prozess« ist uns in der und durch die Psychotherapie mit Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensaltern deutlich geworden. Unser »neuronales Unbewusstes« (Perrig et al. 1993) verknüpft im Hier und Jetzt- gelebter Lebenszeit beständig Memorationen und Antizipationen, Retrospektionen und Prospektionen – eine permanente Hermeneutik des Subjekts, in der es und durch die es sich und das Leben bzw. die Lebensumstände beständig selbst interpretiert. Die erfolgt keineswegs nur oder überwiegend als eine bewusste Interpretationsarbeit, sondern als ein für die menschliche Natur charakteristisches, kontinuierliches »processing« des erlebten Lebens durch das neuronale Unbewusste, das nicht mit dem Freudschen gleichzusetzen ist. Dies ist eine sehr fundamentale Auffassung von Entwicklung, welche nicht nur als Wachstum, Aufbau und Abnehmen, Abbau gesehen wird, sondern als ein kontinuierliches Interpretationsgeschehen von unterschiedlicher Dichte und Intensität.Interpretationen, die sich zwischen Eltern und Kindern, zwischen Freunden, Freundinnen in der Adoleszenz, zwischen erwachsenen Männern und Frauen, zwischen Alten und Jungen vollziehen, ohne dass wir uns dessen zumeist bewusst sind. Das sind Interpretationen, die sich in uns selbst zwischen unseren unterschiedlichen Persönlichkeitsdimensionen, in der Vielheit unserer Persönlichkeitsaspekte (Turkle 1998) vollziehen, und die wesentlich mit darüber entscheiden, ob wir das Leben meistern und wie wir es meistern.
Im prospektiven Blick nach vorn »wenn ich einmal gross bin«, im retrospektiven Blick »ja, als ich noch jünger war«, im aspektiven Blick »wenn ich mir das heute alles betrachte« erschliesst sich das Leben als Sinnhaftes, und zwar je unter dem lebensalterspezifischen Betrachten, unter dem das Leben mit den Möglichkeiten der jeweils gegebenen »Sinnerfassungskapazität« wahrgenommen, erfasst, verstanden und erklärt wird, wie es das Modell der »hermeneutischen Spirale« verdeutlicht (Petzold 1988a,b).
Eine »lifespan developmental therapy« muss um derartige Prozesse wissen, muss die interpretative Qualität menschlichen Lebens selbst verstanden haben u.a. dadurch, dass der Therapeut nicht nur um dieses Geschehen weiss, sondern selbst die Prozesse interpretativer Identitätsarbeit als Bewusstseinsarbeit vollzieht, sie in seiner Lebenspraxis umsetzt, realisiert, denn Lebensreflexion und Lebensgestaltung sind voneinander nicht zu trennen. Lebenskompetenz und Lebensperformanz als Prozesse über die Lebensspanne hin sind miteinander verschränkt. Mit der Lifespan developmental therapy tritt der Therapeut ein in diese Interpretationsarbeit, gibt Hilfestellung für das Zusammenspiel retrospektiver, aspektiver und prospektiver Bewusstseinsarbeit: als Gesprächspartner, Interaktionspartner, Kooperationspartner, zunehmend Partner auch in »virtuellen» Kommunikations- gemeinschaften, als ein Mitglied im »Konvoi» im Weggeleit auf der Lebensstrecke, das aufgrund seiner Professionalität besonders geschult ist, die Möglichkeiten der Zentrierung (im Leib, in der Zwischenleiblichkeit, im Lebenskontext) einerseits und andererseits der Exzentrizität (von der Körperlichkeit, von den Beziehungen, von den Gegebenheiten des Umfeldes) zu nutzen, die Möglichkeiten auch, sich emotional zu engagieren und reflexiv zu distanzieren. Verarbeitung von Vergangenem, Bearbeitung von Gegenwärtigem und Gestaltung von Zukünftigem wird dann nicht mehr blosse Zufälligkeit oder pure Determinierung zwei Seiten einer Medaille , sondern kompetent gestaltetes Leben. Das Wissen um die Bedingungen der einzelnen Lebensphasen, Altersstufen, Lebenslagen, wie es entwicklungspsychologische und sozialisationsheoretische Kenntnisse in einer profunden Qualität erschliessen, ermöglicht eine flexible Zupassung von Wissensbeständen auf die jeweilige Situation des Patienten oder Klienten dadurch, dass korrespondierende, interaktionale Prozesse Raum erhalten, gesucht, installiert werden, weil eine lifespan developmental therapy darum weiss, dass Lebensinterpretation und eine in ihr gründende besondere Lebensgestaltung ein gemeinschaftliches Unterfangen ist. Kindern die Welt erklären eine zentrale Aufgabe elterlicher, pädagogischer und kindertherapeutischer Arbeit heisst doch immer, die kindliche Welt kennenlernen, über sie lernen, sich die Welt des Kindes erklären. Vom Kind seine Welt erklärt zu bekommen, bedeutet für das Kind, sich die Welt der Erwachsenen zu erklären, über die Welt der Erwachsenen Informationen zu erhalten, eine gemeinsame Welt zu betrachten, zu erspüren, erfühlen, zu durchleben: shared sense, shared meaning.
Lifespan developmental therapy ist in gewisser Weise eine einfache Herangehensweise für die Prozesse des Heilens, der Gesundheitsförderung, der Persönlichkeitsentwicklung, denn sie gründet in natürlichen Lebensprozessen, schliesst an an das interpretative Geschehen, das sich beständig wachbewusst und unbewusst, aktiv und fungierend, im Wachen wie im Schlafen, durch die permanente Aktivität unseres Gehirns, unserer geistigen und seelischen Strebungen vollzieht. Sie ist zugleich aber auch ein unendlich komplizierter Prozess dadurch, dass eine solche Therapie über die fungierende Interpretationsarbeit, die Arbeit des fungierenden Gedächtnisses (Petzold 1992a) hinausgehend sich als eine reflexive Praxis konstituieren muss, d.h. sie bedarf eines umfassenden professionellen Wissens über Lebens, Entwicklungs, Sozialisationsprozesse, um in der therapeutischen Praxis fundierte Hilfen für die Prozesse des Konnektivierens, Differenzierens und Integrierens zu geben (Petzold 1998f). Das theoretisch angereicherte Wissen wird dabei permanent durch die in der Lebenspraxis des Therapeuten (seines eigenen Lebens als Mensch in Beziehungsgeflechten) und in seiner Therapiepraxis erfahrenen Lebensereignisse bereichert. Lebenspraktisches Wissen, klinisches Wissen und theoretisches Fachwissen verbinden sich auf diese Weise beständig. Die metareflexive Betrachtung und Auswertung solcher Prozesse durch Beobachtungen zweiter Ordnung (von Förster 1985; Luhmann 1992) durch mehrperspektivische Betrachtung und diskursanalytische und dekonstruktivistische Mehrebenenreflexion, z.B. metahermeneutische Triplexreflexion (Petzold 1998a, Petzold, Orth 1999).Psychotherapie ist eine permanente Differenzierungs, Konnektivierungs- und Integrationsarbeit. Die Verbindung unterschiedlicher Kontexte bzw. Lebenswelten, die Synchronisierung unterschiedlicher social worlds als kollektive Kognition, Sinnprovinzen(Petzold 1985a) und in den Zeiten des Cyber Space die Konnektivierung einer Vielfalt von virtuellen Welten (Turkle 1998; Müller, Petzold 1998), was immer auch Arbeit mit unterschiedlichen Altersgruppen und ihren kognitiven und emotionalen Bezugssystemen bedeutet, das ist eine zentrale Aufgabe einer integrated lifespan developmental therapy.
Für eine solche Aufgabe gilt es spezifische Theorien zu entwickeln. Um diese in entsprechende Praxisstrategien zu transformieren muss man Methoden erarbeiten und diese im Ausbildungskontext umsetzen.
In der Integrativen Therapie haben wir seit ihren Anfängen Mitte der 60er Jahre ein solches Konzept praktiziert und für die Behandlung von Säuglingen, Kleinkindern, Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Erwachsenen und alten Menschen bis zur Begleitung von Sterbenden einen entsprechenden Fundus an Methoden, Techniken und Medien bereitgestellt, wie der PanoramaTechnik und anderen projektiven und semiprojektiven Ansätzen (Müller, Petzold 1998), mit denen sich in der Therapie lebenslaufbezogen diagnostizieren und behandeln lässt, z. B. mit der systematischen Praxis von Tagebucharbeit, die für die Durchführung von Lehranalysen obligatorisch und für die Arbeit mit Patienten sehr zu empfehlen sind. Die Psychotherapieausbildung selbst ist ein Stück begleiteter Lebensstrecke im Erwachsenenalter. Sie soll für die Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters (Faltermaier et al. 1992) sensibilisieren und durch ihre regressions und progressionsorientierten Vorgehensweisen die vorgängige Lebensstrecke in den Blick nehmen, aber auch die persönliche Zukunft prospektiv explorieren, damit Menschen ihr gegenwärtiges Leben eigenverantwortlich und in Verantwortung für ihre Mitmenschen, ihren Konvoi, ihren gesellschaftlichen Kontext aktiv in die Hand nehmen und gestalten (Petzold, Orth 1999).

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Literatur:

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